Interstellar

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© 2014 Warner Bros. Entertainment, Inc. and Paramount Pictures Corporation.

Der Weltraum. Es ist kalt. Sehr kalt. Alles da draußen will dich töten. Keine Luft. Vakuum. Nur ein paar Millimeter Aluminium trennen mutige Astronauten und Raumfahrer von dieser Welt. Allein der Gedanke daran lässt einen ehrfürchtig werden.

Und dieses Gefühl kommt auch bei „Interstellar“ auf. Bildgewaltig, ergreifend, spannend. Einer der besten Filme im Jahr 2014. Mehr müsste man eigentlich nicht schreiben. Noch schnell ein paar Bilder rein, die Punktzahl drunter. Fertig.

Das könnte ich machen. Aber ich muss mir meine Freude über den Film von der Seele schreiben. Sonst grinse ich den ganzen Tag und mir platzt was.

Interstellar hat eigentlich die Einführung einer neuen Maßeinheit verdient. GpM. Gänsehäute pro Minute. Denn die hatte ich. Quasi ständig. Die Bilder, die Emotionen, der Sound. Es passt einfach alles zusammen. Ich hab nach 2 Stunden auf die Uhr geschaut und mir nur gedacht „Oh Gott, nein! Nur noch eine Stunde!“. Und bei nem 3 Stunden Film soll das was heißen. Die Spannung sackt nie unter eine gewissen Schwelle. Langeweile kommt nicht auf. An einigen Stellen muss man aufpassen dass man nicht die Armlehnen aus dem Kinosessel reißt, weil man so mitfiebert.

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© 2014 Warner Bros. Entertainment, Inc. and Paramount Pictures Corporation.

Auch wer jetzt befürchtet dass der Film zu lange auf der Erde spielt bevor es ins Weltall geht (so wie ich das befürchtet habe) kann beruhigt sein: Die Zeit die auf der Erde verbracht wird ist ebenfalls verdammt gut gemacht. Es stört selbst große Space-Nerds nicht. Und ich muss es wissen, denn ich zähle mich zu dieser Gruppe dazu. Gut, an der Vorgeschichte kann man sich natürlich etwas stören. Lebensmittelknappheit, kein Militär mehr (Ja klar! Wurde abgeschafft. Die haben doch Hochsaison sobald etwas knapp wird oder man anderen etwas wegnehmen muss), die Regierung spart Kosten um die Bevölkerung so gut es geht zu ernähren… Zumindest für mich schwer vorstellbar. Es wirkt etwas zu „clean“. Aber gut, daran wollen wir uns nicht stören. Der Film zielt auch weniger darauf ab ein realistisches Endzeitszenario zu liefern. Große Weltraumkino ist hier angesagt! Und das wird auch geliefert!

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© 2014 Warner Bros. Entertainment, Inc. and Paramount Pictures Corporation.

Und die Schauspieler! Einfach großartig! Alle. Ich hab keine Ahnung was die mit der Kleinen (Mackanzie Foy) angestellt haben damit die so authentisch weint, aber dem Film hat es gut getan. Man glaubt es ihr einfach. Man sieht den seelischen Schmerz, man fühlt mit ihr. Matthew McConaughey spielt die Rolle des Vaters sehr gut. Hin und her gerissen zwischen den Pflichten der Vaterschaft, der Verpflichtung der Menschheit gegenüber und dem Entdeckerdrang. Er wirkt emotional etwas unterkühlt, aber man muss bedenken dass die Rolle des Cooper keine emotionale Rolle ist. Klar, er liebt seine Kinder. Aber diese liebe kann er nicht in dem Maße zeigen wie er es vielleicht gerne tun würde. Er muss auch immer wieder daran erinnert werden, dass er nicht mit rationellen Erwachsenen sonder mit seinen Kindern spricht. Anna Hathaway (ich verwechsel das Mädel immer mit Eva Green) glänzt an seiner Seite, man hat sie einfach gern. Davon ab ist sie halt auch wirklich was fürs Auge ;-). Und dann haben wir da natürlich noch Michael Caine. Muss ich zu Michael Caine viel sagen? Ich glaube nicht. Außerdem könnte ich seiner deutschen Synchronstimme (in diesem Fall Jürgen Thormann) tagelang zuhören. Es spielen noch viele andere mit. Bekannte und weniger bekannte. Und sie sind alle gut. Selbst der Roboter „TARS“ ist sympathisch und macht einen guten Job auf der Leinwand (hab leider die Synchronstimme nicht gefunden).

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© 2014 Warner Bros. Entertainment, Inc. and Paramount Pictures Corporation.

Und als ob das alles noch nicht reichen würde vermittelt der Film auch noch eine interessante Botschaft. Gut, er enthält gleich ein paar Botschaften, ich werde hier nur auf eine eingehen, und zwar auf folgende: In wie weit ist ein Mensch bereit sich selbst für andere zu Opfern? Nicht für die Familie, nicht nur für Freunde. Für den Fortbestand der Menschheit. Bis zu welchem Punkt ist er bereit zu gehen? Wann kommen die Zweifel? Wann schlägt der Selbsterhaltungstrieb durch? Und ist man stärker als dieser Trieb? Das ist eine interessante Frage. Am Anfang noch ohne Zweifel und zögern, kann es ganz anders aussehen wenn es dann an der Zeit ist dieses Versprechen einzulösen.

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© 2014 Warner Bros. Entertainment, Inc. and Paramount Pictures Corporation.

Zum Abschluss noch das im Film so oft (leicht abgewandelt) zitierte Gedicht von Dylan Thomas in voller länge:

Geh nicht gelassen in die gute Nacht,
Brenn, Alter, rase, wenn die Dämmerung lauert;
Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht.

Weil keinen Funken je ihr Wort erbracht,
Weise – gewiss, dass Dunkel rechtens dauert-,
Geh nicht gelassen in die gute Nacht.

Wer seines schwachen Tuns rühmt künftige Pracht
Im Sinken, hätt nur grünes Blühn gedauert,
Im Sterbelicht bist doppelt zornentfacht.

Wer jagt und preist der fliehenden Sonne Macht
Und lernt zu spät, dass er nur sie betrauert,
Geh nicht gelassen in die gute Nacht.

Wer todesnah erkennt im blinden Schacht,
Das Auge blind noch blitzt und froh erschauert,
Im Sterbelicht ist doppelt zornentfacht.

Und du mein Vater dort auf der Todeswacht,
Fluch segne mich, von Tränenwut vermauert.
Geh nicht gelassen in die gute Nacht.
Im Sterbelicht ist doppelt zornentfacht.

(Übersetzung von Curt Meyer-Clasons, Original hier: http://www.poets.org/poetsorg/poem/do-not-go-gentle-good-night)

Ach so, Punkte braucht der Film ja auch noch. Kurz und knapp: 10/10. Ich fand ihn großartig!

10


Nachtrag vom 19.11.2014:

Ich hab eine tolle Grafik gefunden die auf den zeitlichen Ablauf von „Interstellar“ eingeht. Schön gemacht! Allerdings Spoilert sie auch sehr viel von der Story. Eigentlich fast alles. Deshalb den Link nur anklicken wenn ihr den Film schon gesehen habt.

Spoiler Grafik

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5 Kommentare

  1. Der Film war/ ist der Hammer. Seit mehr als 7 Jahren hatte ich einen Lieblingsfilm……der wurde nun durch Interstellar abgelöst. Ich bin kein großer Fan von Nolanfilme und bis vor kurzem hat mich nur das Cover des Films auf dem Plakat davon abgehalten ihn zu gucken, weil es wenig Spannung verspricht. Aber nun hab ich ihn gesehen….sogar mehr mals und die Spannung war bei jedem einzelnen mal wieder da obwohl ich genau wusste was passiert. …….Dafür werden Filme gemacht.

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  2. Der Film macht süchtig. Die Bilder zusammen mit der genialen Filmmusik, einfach gelungen. Zur Besetzungen muss man nicht viel sagen, alle spielen ihre Rollen großartig. Nolan ist ein Meisterwerk gelungen.

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  3. Dieser Film hat auch meinen jahrelangen Lieblingsfilm abgelöst! Es gibt viele herausragende Filme aber diese Bilder, diese MUSIK (!!!) und dieses Gänsehautfeeling hatte ich zuvor noch nie! Hab den Film bereits mehrmals gesehen und ich bin wirklich kein Weichei oder so, allerdings treibt es mir in einigen Szenen wirklich immer wieder die Tränen in die Augen! Einfach weil ich so ergriffen bin und so mitgerissen werde… Dieser Film ist ein Meilenstein, ein Epos!

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