Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

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© 2007 Warner Bros. Entertainment Inc. and Virtual Studios LLC

Das Western Genre ist etwas eingestaubt. Klar, es gibt hier und da noch einen der ganz gut ist, aber so richtige Knaller nur sehr selten. Wenn ich genau überlege kann man die, rückblickend auf die letzten Jahre gesehen, eigentlich an einer Hand abzählen. „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ belegt aber meine persönliche Nr. 1 der letzten 10 Jahre.

Zuerst möchte ich aber eine Frage Beantworten die euch sicher unter den Nägeln brennt: Ja, der Film heißt wirklich so. Ja, der Filmtitel ist 1:1 übersetzt und keine deutsche Eigenkreation (wir mach ja gerne mal aus kurzen und knackigen englischen Titeln kleine Dreizeiler). So, da das nun geklärt wäre können wir ja zur Sache kommen.

„Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ ist einer der wenigen Filme die ich mir auch zweimal hintereinander anschauen könnte. Nur mit ner kleinen Pinkelpause dazwischen. Das schaffen bei mir nicht viele Filme. Das liegt nicht an den knallharten Action Szenen (die wird man vergeblich suchen) oder an den spektakulären Special Effekts (wenn es welche gibt hab ich sie nicht gesehen). Nein, es ist einfach die Story und die grandiose Schauspielerische Leistung die einen in den Bann zieht und fesselt. Es passt einfach alles. Die Gesten, die Mimik, die Dialoge. Selbst die Satzpausen scheinen bis auf die 1/10 Sekunde abgestimmt zu sein.

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© 2007 Warner Bros. Entertainment Inc. and Virtual Studios LLC

Die Story (eng an der Romanvorlage von Ron Hansen) ist nach meinen Recherchen übrigens recht nah an dem was man sich damals so erzählt hat und an Zeitungsberichten aus der damaligen Zeit. Ob das dann wirklich alles so war ist natürlich fraglich und kaum zu beweisen. Es wird ja so allerhand geschrieben, man kennt das ja. Das Jesse James für viele Leute der damaligen Zeit (und auch heute noch) eine Art Held war und stark glorifiziert wurde, dürfte ebenfalls dafür sorgen dass das Leben des Jesse James etwas einseitig beleuchtet wurde. Aber halten wir fest: Der Film hat den letzten Abschnitt des Lebens von Jesse James nach bestem Wissen und Gewissen auf die Leinwand gebracht.

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© 2007 Warner Bros. Entertainment Inc. and Virtual Studios LLC

Brad Pitt als Jesse James, man hätte keinen besseren dafür nehmen können. Er ist wie für die Rolle gemacht. Ich hab mich mehr als ein mal gefragt wer für diese Rolle noch in Frage gekommen wäre und sie genau so perfekt hätte spielen können. Mir ist keiner eingefallen. Auch die beiden Ford Brüder, Charly und Robert, sind erstklassig besetzt worden. Sam Rockwell als Charly, und Casey Affleck als Robert. Beide großartig. Sam Rockwell bringt das Gefühl von nervöser Angst so gut rüber wie kaum ein anderer. Casey Affleck in der Rolle des Robert Ford, dem zornigen „Jungen“, der gerne so wäre wie Jesse James, macht ebenfalls einen herausragend guten Job. Das schwanken zwischen anhimmeln und Neid, zwischen Vergötterung und Zorn. Großartig! Auch die Unsicherheit die ihn auf Schritt und Tritt begleitet, und die er vergeblich zu überspielen versucht, ist grandios in Szene gesetzt.

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Auch die Bilder sind nicht von schlechten Eltern. Weite Landschaften, schnaubende Pferde, ein Zug der sich damfpend durch die Nacht frisst. Es sieht einfach toll aus. Auch das oftmals karge Leben von damals wird meiner Meinung nach glaubhaft rüber gebracht. Harte Arbeit, kalte Winter. Nicht unbedingt kuschelig. Aber so war es damals halt. Also wahrscheinlich war es damals so, ich war ja nicht dort.

Und auch bei diesem Film ist die Musik mal wieder besonders erwähnenswert. Ruhige Klänge die nachdenklich, fast schon melancholisch stimmen. Nick Cave und Warren Ellis haben einen echt guten Job gemacht. Aber warum lange darüber reden wenn man es sich auch einfach anhören kann.

Aber der Film hat auch ein paar Schwächen. So ist z. B. der Handlung nicht immer so einfach zu folgen, was eventuell zu leichten Verwirrungen führen kann. Ab und an fragt man sich „warum, wieso? Wann ist das denn passiert?. Wurde das erwähnt?“. Eventuell hilft es da sich vorher den Wikipedia Eintrag durchzulesen, denn wie die Geschichte aus geht dürfte jedem ja schon vorher klar sein. Dieser böse böse Titel aber auch.

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Wer bei dem Film auf viel Action und wildes rumgeballere hofft wird enttäuscht werden. „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ geht stark in die Richtung eines Kunstfilms. Das muss man mögen. Wer aber auch mal gerne einen ruhigen Film sieht mit viel Gefühl und Emotionen ist hier sehr gut aufgehoben.

Meine persönliche Wertung: 9/10 Punkte.
9

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