Schändung

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© NFP Christian Geisnaes

Genau deswegen schreibe ich nicht gerne über Mehrteiler. Es fehlt einem einfach die Einleitung. Wo man beim ersten Teil noch locker flockig drauf los schreiben kann, muss man ab dem zweiten Teil aufpassen nicht das gleiche nochmal zu schreiben. Da fehlt mir der Fluss. Die Worte müssen aus mir rausplätschern können. Wie ein kleines Gebirgsbächlein im Winter. Wie klares Eiswasser das sich seinen Weg durch den Felsen bahnt.

Eiswasser ist übrigens ein schönes Stichwort. Denn bei den Filmen um das Sonderdezernat Q mit ihre Ermittlern Carl Mørck (gespielt von Nokilay Lie Kaas) und Assad (gespielt von Fares Fares) hat man manchmal das Gefühl dass einem Eiswasser durch die Adern fließt. Nicht weil es Horrorgeschichten sind. Auch nicht weil die „Schreckmomente“ so heftig sind. Nein, es ist einfach die Art wie Skandinavier Krimis machen. Es ist das Gesamtpaket was einem ein ungutes Gefühl verpasst. Es ist ein Gefühl vom Beklemmung. Als ob etwas großes auf dem eigenen Brustkorb sitzt. Und dieses Gefühl kommt besonders bei den Verfilmungen der Bücher des Herrn Jussi Adler-Olson auf. Wem der Herr jetzt bekannt vor kommt der hat entweder einen recht guten Geschmack was Bücher angeht, oder aber er hat sich mein Geschreibsel zu „Erbarmen“, dem ersten Teil der Reihe, durchgelesen. In beiden Fällen wäre das sehr löblich.

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© NFP Christian Geisnaes

Schändung. Bei dem Titel weiß man gleich was los ist. Da wird sich nicht lange mit Wortspielereien aufgehalten. Im Original heißt der Film übrigens „Fasanenmörder“, das lässt der Fantasie schon eher Raum um zu arbeiten. Aber ich will nicht über den Titel meckern, da hätte man damals schon melden müssen als das Buch auf deutsch Übersetzt wurde.

Die Schauspieler sind wie im ersten Teil schon großartig. Neu dazu gekommen ist Johanne Louise Schmidt als Sekretärin des Dezernat Q. Und was soll ich sagen, sie hat es nicht leicht. Carl Mørck ist halt nicht unbedingt einfach im Umgang. Und genau das spielt sie wirklich gut. Verwundert, und teilweise vor den Kopf gestoßen von den ungewöhnlichen Umgangsformen des Herrn Mørck, und trotzdem dazu entschlossen sich nicht unterkriegen zu lassen. Man nimmt ihr das ab, sie spielt es gut.

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© NFP Christian Geisnaes

Die Story an sich ist natürlich ausgezeichnet. Aber die Vorlage war ja schon sehr gut, wie ich aus vertraulicher Quelle erfahren habe (habe die Bücher leider [noch] nicht gelesen). Der Aufbau ist stimmig. Nicht zu schnell, nicht zu hektisch. Die Skandinavier haben es gerne einen Tacken langsamer. Die Action ist nicht überzogen oder unglaubwürdig. An Gewalt wird dennoch nicht gespart. Aber es ist eben eine andere Art von Gewalt die hier gezeigt wird. Eine Gewalt die greifbarer ist als ein Kettensägenschwingender Irrer. Auch die psychische Gewalt wird gut vermittelt.

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© NFP Christian Geisnaes

Die Bilder sind wie im Vorgänger (Erbarmen) ebenfalls eher düster und dunkel. Eigentlich sind alle skandinavischen Krimis die ich kenne düster und dunkel. Ich glaube solche Krimis tragen auch dazu bei dass der Durchschnittsdeutsche glaubt in Dänemark/Südschweden gäbe es keinen Sommer. Ich kann euch beruhigen: Südschweden im July/August ist Sommer-Sonne-Strand Feeling vom Feinsten. Da ist man manchmal froh wenn eine leichte bis mittelstarke Brise um das hübsche Näschen weht.

Aber genug vom Wetter. Zurück zum Film. Ein guter Film, gute Schauspieler und die Story hat es in Sich. Wenn man alles zusammenzählt und gegeneinander abwägt kann es für mich eigentlich nur eine Mögliche Wertung geben: 7,5/10 Punkte.

7_5

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